Donnerstag, 26. Mai 2022
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Asiatische Tigermücke — ein gefährlicher Gast bei Berliner Laubenpiepern

Asiatische Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wird über den weltweiten Warenhandel in Fracht-Containern und über Luftfracht verbreitet. Die gewandelten klimatischen Bedingungen machen inzwischen auch Mitteleuropa als Lebensraum für die Insekten attraktiv. Denn nur längere Frostperioden können ihre Ausbreitung stoppen.
Die Asiatische Tigermücke kann Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren übertragen. Diese Viren sind in Deutschland bislang nicht verbreitet, können aber durch infizierte Reiserückkehrer:innen eingeschleppt werden. Sticht eine Mücke eine mit diesen Viren infizierte Person und danach eine andere Person, kann eine Übertragung der Viren erfolgen.

Aktuell haben die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung und das Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) vor einer Ausbreitung der Tigermücke in Berlin gewarnt. Die Tigermücke wurde seit 2017 wiederholt in Berlin nachgewiesen.

Um die Ausbreitung der Mücke einzudämmen, hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) gemeinsam mit Expert:innen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) eine Informationskampagne initiiert, um Pächter:innen von Berliner Kleingärten umfassend über Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen zu informieren. Eine zentrale Empfehlung ist etwa, stehende Wasserstellen zu beseitigen.

In der Praxis der Laubenpieper bedeutet das: „Aufräumen!“ — Alle Gefäße, Blumentöpfe, Regentonnen und sogar alte Autoreifen, Vogeltränken und „hängende“ Regenrinnen können zur Brutstätte werden.
Auch liebevoll angelegte Gartenteiche können zum „Tigermückenbiotop“ mutieren.

Darüber hinaus wird das Vorkommen der Asiatischen Tigermücke in der kommenden Mückensaison in der Berliner Kleingartenanlage, in der die Mückenart erstmals entdeckt wurde, von Expert:innen engmaschig überwacht. Dazu werden spezielle Fallen aufgestellt, die sowohl Eier und Larven als auch erwachsene Exemplare fangen. Sollten dabei Tigermücken nachgewiesen werden, stehen biologische Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung. Dies wird dann im Einzelfall und unter fachlicher Aufsicht mit Expert*innen entschieden und durchgeführt. Koordiniert wird dies durch das LAGeSo, das im Jahr 2021 bereits seine Surveillance für West-Nil-Viren in Stechmücken, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie der Charité, intensiviert hat.

Gesundheitssenatorin Ulrike Gote sagte dazu : „Die Funde der Asiatischen Tigermücke in Berlin nehme ich sehr ernst. Meine Verwaltung und das LaGeSo haben die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um die Berliner:innen vor möglichen Infektionskrankheiten zu schützen. Die Informationskampagne zu Prävention und Bekämpfung der Tigermücke ist ein wichtiger Schritt. Ich fordere alle Betroffenen auf, die Maßnahmen ernst zu nehmen und so dazu beizutragen, die Ausbreitung der Tigermücke einzudämmen.“

Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung hat in einer Pressemitteilung vom 8.4.2022 die Maßnahmen zur Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke in Berlin erläutert, und ein Informationsblatt zu „Maßnahmen gegen die Asiatische Tigermücke“ herausgegeben.

Mückenjäger werden – eine Citizen-Science-Mitmach-Aktion

Mit dem Projekt „Mückenatlas“ sammelt das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V. im brandenburgische Müncheberg Proben von eingefangenen Mücken. Bisher haben schon über 29.000 Teilnehmende mehr als 150.000 Stechmücken für die Forschung gefangen, und dabei geholfen, den ersten deutschen Mückenatlas zu erstellen.

Invasive Mückenarten bekämpfen

Informationen zur Bekämpfung von invasiven Mückenarten können auch von der European Mosquito Control Association ( www.emca-online.eu ) abgerufen werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt die Biologische Bekämpfung mit Produkten auf Basis des mikrobiellen Organismus Bacillus thuringiensis israelensis (B. t. i.). Diese Bakterien bilden einen bioziden Wirkstoff, der die Larven von Stechmücken abtötet. Produkte auf Basis von B. t. i. weisen bei sachgerechter Anwendung im Vergleich zu chemischen Bekämpfungsmitteln ein deutlich günstigeres Risiko-Profil für Mensch und Umwelt auf aufgrund ihrer relativ spezifischen Wirkweise. Unerwünschte Effekte auf andere Lebewesen, insbesondere auf mit Stechmücken verwandte Arten, können jedoch nicht ausgeschlossen werden.