Mittwoch, 12. August 2020
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Google findet sich selbst gut!

Google findet sich selbst gut!

Glosse: Michael Springer

Das Internet fördert speziell die Eigenschaften der Selbstbespiegelung und die Dispositionen von Narzißmus. Instagram ist derzeit das abgesagte Medium, um sich zum Abziehbildchen zu verwandeln. Donald J.Trump setzt mehr auf Twitter.

Aber auch Suchmaschinen und der Suchmaschinenkonzern Google sind nicht vor diesem Trend gefeit. Google darf nun sogar als Suchmaschine bezeichnet werden, die einen speziellen „Suchmaschinen-Narzißmus“ entwickelt hat.

Denn Google bindet die Nutzerinnen zunehmend auf der eigenen Seite. Das zeigt eine neue Analyse von The Markup.

Bei 15.000 populären, englischsprachigen Suchanfragen entfallen von der ersten Ergebnisseite auf Mobilgeräten im Schnitt 41 % auf von Google sogenannte „Direkte Antworten“, also zum Beispiel Infokästen. Bei vielen Anfragen müssen die User weit nach unten scrollen, ehe sie auf organische Suchergebnisse stoßen.
Google argumentiert, so seinen Nutzerinnen mittlerweile besser helfen zu können, als mit reinen Website-Links. Kritiker*innen bemängeln dagegen, Google bevorzuge so eigene Produkte wie seine Flugsuche, und baue seine Marktmacht auf weitere Felder aus.

Nimmt man die einstige Startup-Philosophie von Larry Page zu Vergleich, so muß man heute sogar von einem schweren Erkrankungssyndrom des „Suchmaschinen-Narzißmus“ bei Google sprechen:

In Google’s early years, users would type in a query and get back a page of 10 “blue links” that led to different websites. „We want to get you out of Google and to the right place as fast as possible,“ said co-founder Larry Pages in 2004.

Heute hält sich offensichtlich Google selbst für den besten Platz, noch vor den Suchergebnissen.

Sally Hubbard, Expertin für Kartellrecht und Technologieunternehmen beim Open Markets Institute, sagte dazu, dass die Entscheidungen von Google bei der Suche enorme Auswirkungen haben. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Bibliothek, und der Zettelkatalog sucht und wählt das Buch aus, das Sie kaufen möchten, und zwar auf der Grundlage dessen, was der Bibliothek das meiste Geld einbringt.“

Google macht durch Werbung auf seinen eigenen Grundstücken fünfmal so viel Umsatz wie durch den Verkauf von Werbeflächen auf Websites Dritter.

Geldgier und Suchmaschinennarzißmus halten offenbar das Google-Imperium zusammen.
Wenn Google CEO Sundar Pichai damit nicht zum Arzt geht, müssen wohl die Kartellwächter selbst zu Ärzten werden!


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