Mittwoch, 30. November 2022
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Ohne Kupfer keine Energiewende

Windkraftanlagen

Die Versorgung mit dem Energieträger Gas ist von ernsthaften Engpässen betroffen. Wirtschaftsminister Habeck hat deshalb die zweite Stufe des Gas-Notfallplans ausgerufen. Auch wenn jetzt noch ausreichend Gas da sei, müsse jetzt vorgesorgt werden, damit der Notfall nicht erst eintrete.

Bei einer „Gasmangellage“ im kommenden Winter sollen industrielle Großverbraucher ihren Gasverbrauch als Erste herunterfahren oder sogar ganz einstellen. — Doch dabei gerät ein wichtiges Metall in den Blick, ohne das eine Hinwendung zu erneuerbaren Energien unmöglich wäre: das Halbedelmetall Kupfer, das als elektrischer Leiter und Wärmeleiter unersetzlich ist.

Das Deutsche Kupferinstitut Berufsverband e.V. warnt deshalb vor einem Energie-Engpaß, der die bedeutsame Kupferproduktion lahmlegen könnte.

Alexander Dehnelt, Vorstandsvorsitzender des Kupferverbandes, sagte zum Gas Notfallplan: „Diese Maßnahmen bergen die Gefahr einer tiefgreifenden konjunkturellen Krise, die beispielsweise auch die großen Abnehmerbranchen der Kupferindustrie wie die Automobilhersteller oder den Maschinenbau betreffen würden.“

Die Folgen wären nicht nur Produktionsausfälle und gestörte Lieferketten, sondern eine konkrete Bedrohung, Deutschland in eine wirtschaftliche Rezession laufen zu lassen, führt Dehnelt weiter aus.
„Kupferwerkstoffe haben aufgrund ihres breiten Anwendungsbereichs für viele Industrien eine wichtige Funktion im Herstellungsprozess oder auch als Produktbestandteil. Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Betroffenheit zählen wir uns als Kupferindustrie eindeutig zu den systemrelevanten Industrien in Deutschland. Eine Reduzierung der Kupferproduktion hat definitiv Auswirkungen auf die Produktion von Consumer Products und Investitionsgütern.“

Erneuerbare Energien brauchen Kupfer

Ein weiterer Punkt: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird immer wieder als Schlüsselelement genannt, um Deutschland vom Gas unabhängig zu machen. „Als wichtige Komponente der Mobilitäts- und Energiewende tragen Kupferwerkstoffe erheblich dazu bei, erneuerbare Energien überhaupt erst möglich zu machen“, erläutert Michael Sander, Geschäftsführer des Kupferverbandes, weiter die Auswirkungen von Produktionsausfällen in der Kupferindustrie. „Wie wollen wir die Erneuerbaren ausbauen, wenn uns die entsprechenden Materialien und Werkstoffe fehlen?“

Windkraftanlagen: eine Umstellung auf erneuerbare Energien ist ohne den Einsatz von Kupfer nicht möglich - Foto: © Deutsches Kupferinstitut Berufsverband e.V., Fotograf DKI/DWS
Windkraftanlagen: eine Umstellung auf erneuerbare Energien ist ohne den Einsatz von Kupfer nicht möglich – Foto: © Deutsches Kupferinstitut Berufsverband e.V., Fotograf DKI/DWS

Produktion muss gesichert werden

Aus technischer Sicht ist eine unzureichende Gasversorgung bzw. eine Umstellung auf alternative Energien ebenfalls problematisch: in der Herstellung von Halbzeugen und Produkten aus Kupferwerkstoffen werden zahlreiche thermische Prozesse durchlaufen, um die Produkteigenschaften optimal in engen Toleranzen nach Kundenvorgabe einzustellen.
Zurzeit sieht die Kupferindustrie – übrigens wie viele andere Industrien auch – wenig Möglichkeiten im Herstellungsprozess z.B. von Kupfer-Halbzeug kurzfristig auf alternative Energieträger umzusteigen und das einfach, weil die technischen Möglichkeiten (noch) nicht gegeben sind.

Die Produktion von Kupfer und Kupferwerkstoffen ist energieintensiv.

2020 lag der Energieeinsatz für die Erzeugung und erste Bearbeitung von Kupfer und Kupferwerkstoffen bei 3,8 Mrd. kWh. Davon wurden 1,9 Mrd. kWh als Strom eingesetzt. 1,4 Mrd. kWh wurden mit Erdgas erzeugt ( Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; eigene Berechnungen Kupferinstitut e.V.).

Dehnelt warnte abschließend: „Als energieintensive Branche ist die Kupferindustrie auf eine zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung angewiesen. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass die Produktionskapazitäten aufrechterhalten werden können.“