Freitag, 18. Oktober 2019
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Ungeklärte Todesfälle von Hunden am Tegeler See

Tegeler See

In einer Pressemitteilung warnt Bezirksstadtrat Sebastian Maack (AfD), zuständig für die Abteilung Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten, sowie das Veterinäramt, alle Hundebesitzer, den Kontakt mit Seewasser zu vermeiden.

Der traurige Anlaß:

Mitte Mai sind zwei Hunde, die sich am Tegeler See aufgehalten haben, kurz nach dem Kontakt mit dem Seewasser gestorben. Ein dritter Hund musste tierärztlich behandelt werden, nachdem er sich im See aufgehalten hatte. Die Ursache ist derzeit noch nicht bekannt. Bisher entnommene Seewasserproben ergaben keine Hinweise auf eine Gefährdung durch Blaualgen. Weitere Untersuchungen werden durchgeführt. Bis zur genauen Klärung werden zunächst allgemeine Warnhinweise am Tegeler See ausgehangen.

Bezirksstadtrat Sebastian Maack (AfD) rät den Hundebesitzern:„Halten Sie im Bereich des Tegeler Sees den bestehenden Leinenzwang auch im Interesse Ihrer Tiere unbedingt ein. Vermeiden Sie Kontakt Ihrer Hunde mit dem Seewasser, bis wir die Ursachen für die Todesfälle zweifelsfrei klären konnten.“

Da bisher noch keine Ursache für die tödliche Erkrankung der Hunde ermittelt wurde, hat die Redaktion weitergehende Recherchen zu diesem Thema unternommem.

Blaualgen als Gefahr für Hunde

Hunde sind die Tierart, die am häufigsten von einer Blaualgen-Vergiftung betroffen ist. Blaualgen (eigentlich Cyanobakterien) können in Frischwasser aber auch abgestandenen Wasser entstehen, wenn hohe Nährstoffkonzentrationen, Sonnenlicht und biologische Zersetzungsprozessse im Wasser zusammentreffen. Die meisten Blaualgen produzieren keine Gifte, sie lassen sich jedoch vom Aussehen nicht von den giftigen Blaualgen unterscheiden.

Als Algenblüte wird die massenhafte Vermehrung von Algen und Cyanobakterien bezeichnet. Hohe Phosphat- und Stickstoffgehalte begünstigen das Algenwachstum. Ab 25°C Wassertemperatur (was in flachen Randbereichen im Spätsommer gut erreicht werden kann) vermehren sich Blaualgen zunehmend. Wechselnden Lichteinfall mögen die Algen besonders, unter starker Dauerbestrahlung nimmt ihre Vermehrung wieder ab.

Diese Bedingungen sind aber bisher im Jahr 2019 jedoch gar noch nicht aufgetreten. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), zuständig für die Badewasserqualität an den Badestellen in Berliner Gewässern“, hat bislang am Tegeler See eine gute Wasserqualität festgestellt. Allerdings wurde durch die Starkregenfälle zeitweise die Wasserqualität verschlechtert. Inzwischen ist das überschüssige Wasser abgeflossen, und die Wasserqualität am Tegeler See ist wieder gut.

Fadenalgen und Blaualgenreste?

Die Ursache für die aktuellen Todesfälle von Hunden ist noch rätselhaft und vermutlich etwas anders gelagert. Wenn Wasserproben ohne Blaualgenbefund sind, muss eine ganz andere Ursache wirken!

Am Ufersaum lagern sich mit den Wellen auch Algenteppiche und Fadenalgen ab, die mit Blaualgen vermischt sind. Ist das Material abgelagert fressen manche Hunde das Algenmaterial, weil es vom Geruch her auch dem Nahrungsergänzungsmitttel Spirulina ähnelt.
Spirulina ist ebenfalls eine eiweißreiche Blaualgenart, die auch als „Wunderalge“ sowohl Menschen als auch Hundebesitzern als „Nahrunsgergänzungsmittel“ empfohlen wird.

Riechen Hunde am Ufer einen ähnlichen Geruch, nehmen sie ggf. versehentlich auch Fadenalgen auf, vermischt mit Resten der giftigen Blaualge Tychonema, die Anatoxin-a und das noch giftigere Anatoxin-as produziert. Die Giftwirkung ist dann im festen Algenmaterial vorhanden, auch während die Wasserqualität gut ist.

Auch kann noch ein anderes Gift mit im Spiel sein: Microcystine.

Microcystine kommen in vielen Cyanobakterienarten vor, am häufigsten in den Gattungen Microcystis und Planktothrix. Nach dem Absterben der Bakterien gelangen die Toxine in die Umwelt und können Oberflächengewässer und auch das Trinkwasser erreichen. Des Weiteren können Microcystine auch in Fertigprodukten (Spirulina oder AFA-Algen) enthalten sein, die aus Blaualgen hergestellt werden und als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt sind.

Die Warnungen von Bezirksstadtrat Maack sollten daher trotz guter Wasserqualität weiter ernst genommen werden.

Zusätzlich sollte der Blick mehr auf den Uferrand und feste Algenablagerungen gerichtet werden. Für Umwelt-Toxikologen und Veterinärmediziner erweitert sich in jedem Fall der „Kreis der üblichen Verdächtigen.“ Weitere Schadwirkungen sind vermutlich im Spiel.

Nicht ausgeschlossen ist dabei, dass Hundebesitzer ihren vierbeinigen Lieblingen auch selbst versehentlich eine Überdosis Gift mit fragwürdigen Nahrungsergänzungsmitteln verabreichen.

Hinweis für Hundebesitzer:

Bitte senden Sie uns Ihre Beobachtungen und Hinweise auf Fall-Diagnosen. Die Redaktion hat eine ganze Reihe von Fakten zusammen getragen, die einen neuen Untersuchungsansatz beschreiben und Risiken für Tier und Mensch klären können:

info@reinickendorf-nachrichten.de

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