Samstag, 26. November 2022
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Zeitenwende: Transformation der Lokalpresse # 2

Kommunikative Pipelines und die Todesspiralen der Demokratie

Die Nachrichtendichte ist in Berlin sehr, sehr hoch! — Pressestellen von Behörden und Bezirksämtern und Senatsverwaltungen auf berlin.de veröffentlichen dabei immer „unmittelbar maschinenlesbare Inhalte.“ — Die von der Senatskanzlei konzipierte OpenData-Politik sorgt für in „quasi-Echtzeit“ veröffentlichte Dokumente, die allesamt als Pressemitteilungen bezeichnet werden. aber eigentlich unterschiedlichen „Gattungen“ zugehören:

  • Amtliche Ankündigungen und öffentliche Einladungen (alle Bereiche inkl. Kultur);
  • Kommentierte und weitergeleitete Ankündigungen, oft im gemeinnützige Bereich und Kultur;
  • Pressemitteilungen, die aber an alle Bürger gerichtet sind, nicht nur Zielgruppe Redaktionen;
  • Presseeinladungen mit Terminbeschreibung, nur für Journalisten;
  • Aufrufe und Beteiligungsaufrufe (Z.b. für meinberlin.de);
  • Bewerbungsaufrufe — vom Ehrenamt bis zur ausgeschriebenen Stelle.

Damit greifen die Pressestellen vor allem der Bezirksämter in den „Pressemarkt“ ein, und sorgen dabei für unbeabsichtigt für Nebeneffekte- und Rebound-Effekte, die den Nachrichtenwert, den Werbemarkt und den Bearbeitungsaufwand betreffen.

In Lokalredaktionen muss daher aufwändig geprüft und sortiert werden, ob Nachrichten überhaupt für eine journalistische Bearbeitung taugen, oder einfach nur automatisch angezeigt werden, bzw. syndiziert werden.

Dabei passieren auch kuriose Dinge, etwa wenn ein Stadtrat zu einem Termin um 9.00 Uhr einlädt, aber erst um kurz vor 9 Uhr veröffentlicht, und sein geplantes Zitat von 10:00 übermittelt. Redaktionen können noch nicht „beamen“ — so musste der Bericht von der Schafschur im Landschaftspark natürlich ausfallen.

Für Lokaljournalismus entfällt dabei die Möglichkeit, passend zu Themen zeitnah Werbekunden zu gewinnen. Ferner sinkt der Nachrichtenwert infolge der „quasi-Echtzeit-Veröffentlichung,“ der neben einem Zeitfenster benötigt wird, um eine Recherche zu führen zu können. — In Berlin übliche Antwortzeiten von mehreren Tagen machen damit praktisch jede Recherche zu einem „Ressourcen-Dilemma:“ Zeit, Kosten und Werbe-Erträge fehlen, und sind durch aktuelle Praxis auch ausgeschlossen.

Für die Demokratie und die „systemrelevante Rolle des Journalismus“ entsteht dabei großer Schaden, denn die Lokalpresse und die Kommunalpolitik werden zombifiziert! — Eine wirtschaftliche Grundlage für einen unabhängigen Journalismus kann unter dieser Medien-Regie nicht entstehen.

Die über die Medienpolitik Berlins bestimmende Senatskanzlei ermächtigt sich dabei selbst und wird nicht durch den Ausschuss für Europa, Bundesangelegenheiten und Medien korrigiert. Das Parlament, die BVV und die Fraktionen und einzelne Bezirksverordnete werden systemisch um die Möglichkeit gebracht, die politische Willensbildung über Lokalpresse mit zu gestalten und zu beeinflussen.

Die Einführung der EU-Datenschutzpolitik und die Stärkung von Persönlichkeitsrechten minimieren dazu die Möglichkeiten für digitale Anzeigenwerbung und werbefinanzierten Journalismus, denn Zielgruppen und Einwohnerzahlen im Einzugsbereich unter 250.000 Klicks pro Monat lohnen die Schaltung nicht. Die System- und Personalkosten sind zu hoch.

In der Systemanalyse wurde das schon vor zehn Jahren erkannt. Deshalb wurde das „Verlagssystem“ in Stückprozesse und Leistungsprozesse zerlegt, und „servicialisiert.“ Vom Öffnen und Klassifizieren von Mails bis zum Publikationsprozess sind alle Schritte mit „Minutenzeitwerten“ und „Plattformstundensatz“ und „Lohnkostenanteil“ bewertet und dynamisch kalkulierbar. Damit wurde eine Disruption möglich, die alle Leistungen von Lokalmedien in einem Baustein-System realisiert, und dabei nach einheitlichen Stundensätzen realisiert:

Stundensatz-Kalkulation nach „Redaktions-Plattform-Mittelstundensatz (RP/h)“
Die vielfältigen und offene Möglichkeiten journalistischer, medialer und digitaler Leistungen werden auf EINHEITLICHEN „Redaktions-Plattform-Mittelstundensatz (RP/h)“ umgelegt:

  • 66,– € (RP/h) – Berliner Themen.
  • 132,– € (RP/h) – Bundes-Themen.
  • 264,– € (RP/h) – Bundes-Themen.
  • 79,– € Progammieren, Mediendesign, Texten (EU-einheitlicher Tarif mit 65.000 Web-Sites).

Damit wurden alle Vorausetzungen, um Leser-Logins und Abo-Paywalls völlig abzuschaffen. Alle Beiträge, News, journalistische Beiträge und Marketing-Formate werden offen, ohne Paywalls publiziert. Leser & Autoren können alle Vorteile des offenen Internets nutzen. Alle wirtschaftlichen Akteure in der Stadt und darüber hinaus können eine offene, inklusive und unabhängiges Mediensystem nutzen, das vor allem die lokale Wertschöpfung, gute Arbeit und Onsite-Marketing und Onsite-eCommerce stärkt.


Unabhängige Presse | Stadtinformation | MediaCitizenship | inklusive, faire und soziale Märkte

Journalimus und Lokaljournalismus sind unverzichtbar, und sogar „systemrelevant“ für das Funktionieren der offenen und weltoffenen Stadtgesellschaft. Das Konzept des Mediennetzwerk Berlin erarbeitet damit die Grundlagen für eine funktionierende „Offene Redaktionelle Gesellschaft“, in der sorgfältiges Publizieren vor „aufgeregten Posten“ steht.

Angesichts der bestehenden Open-Data-Politik in Berlin funktioniert die Lokalpresse heute vor allem auch als „intelligenter Türöffner“ für alle digitalen Angebote, und sorgt mit hoher Sichtbarkeit und hohen Lesereichweiten für effizientes Marketing und Online-Marketing.

Systemkosten-Gleichwert und volkswirtschaftliche Effekte:
Der Einwohner-Gleichwert für die Systemkosten plus Redaktion liegt derzeit bei 1,– €/Einwohner/Jahr,
plus 44 Cent, wenn die BSI-/KRITIS-Regeln technisch investiert werden.
Je 100.000 Einwohner müssen mindestens 1,4 Vollzeit-Redakteure beschäftigt werden, um die exorbitante Newsdichte vernünftig und qualitativ zu bewältigen.

Im Systemkostenvergleich sorgen die heutigen GAFAM-Plattformen für einen Kapitalexport von 1.650 bis
2.650 € pro Einwohner und Jahr. Das entspricht inzwischen etwa 1 Monatsmiete je Smartphone/Jahr.


Lesen Sie in der Fortsetzung:
Kommunikative Pipelines und die Todesspiralen der Demokratie — warum SmartCity-Konzepte mit sozialen Netzwerken scheitern können!

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